Stubenrein wäre fein

 Alle, die je einen Welpen hatten, kennen das große Problem: wie wird unser Hund stubenrein? Wir hatten Glück, denn Jody hielt sehr gut aus und wir mussten nachts nur einmal raus. Nach ein paar Wochen hatte es sich gut eingespielt und sie war nachts sehr „dicht“. Was sie nicht so sehr mochte, war das Alleinsein sowie die Dunkelheit. Wir hatten ein Erbarmen und sie zog mit ihrem Körbchen zu mir und meinem Mann ins Schlafzimmer. Sie ging abends brav ins Körbchen und hielt gut durch bis zum nächsten Morgen. Man muss dazu sagen, dass der Wecker bei uns sowieso um 5:30 Uhr klingelt und wir daher rechtzeitig wach waren.

Mal kurz die Decke gelüftet, um dem Gestank auf den Grund zu gehen…

Doch Ausnahmen bestätigen die Regel. Eines Nachts wurde ich durch einen strengen Geruch geweckt. Ich dachte nicht an den Hund, sondern direkt an meinen Mann. Also stupste ich ihn an: „Hast du gepupst?“ Mein Mann hob schlaftrunken die Bettdecke, nahm einen tiefen Zug und bestätigte kurz: „Ich war es nicht!“ Zack war ich hellwach – das konnte nur eins bedeuten: Jody war es! Licht an und sofort im Sherlock Holmes Modus. Mein Helfer Watson war nicht die große Hilfe: also ich sehe nichts. Sprach er und legte sich wieder ins Bett. „Aber es stinkt doch wie Bolle. Das war kein Pups.“ Ich zückte meiner inneren Lupe und folgte meiner Nase. Watson war auch wieder mit dabei. Kurz darauf vermeldete er den ersten Erfolg: „Ich hab es gefunden.“ Ein kleiner Köttel lag neben dem Teppich. Schnell aufgesammelt und geputzt ging es wieder ins Bett. Doch der Geruch ließ mir keine Ruhe. Ich dachte schon, ich spinne, aber ich begab mich wieder auf Spurensuche. Der Gestank konnte nicht von so einem kleinen Köttel kommen. Es dauerte nicht lange und ich fand den wahren Tatort. Natürlich direkt auf dem dunklen Teppich platziert und daher nur schwer zu finden. Wir mussten etwas mehr putzen und machten Durchzug so gut es ging, doch ich war im Alarmzustand. Sobald sich der Hund in den nächsten Tagen bewegte, dachte ich, dass Jody wieder zum Geschäft ansetzen würde. Es waren unruhige Nächte, aber es gab keine neuen, unschönen Überraschungen.

Tagsüber war es nie ein Problem und wir immer rechtzeitig mit Jody Gassi. Doch ausgerechnet an dem Morgen, als ich dringend zum Zug musste, nahm auch ihre Verdauung an Fahrt auf. Ich war im Bad und als ich raus kam, stieg mir dieser ungute Duft in die Nase. Diesmal hatte ich sofort den Teppich im Visier und schnell wurde ich fündig. Problem war nur, dass ich dringend los musste. Ich sagte meinem Mann kurz Bescheid, dass er, nachdem er mich abgesetzt hatte, den Teppich putzen musste. Doch ich hatte meinen Meister Proper unterschätzt, denn eh ich mich versah war er mit Teppichreiniger und Handschuhen ausgestattet. „Ich muss zum Zug.“ „Ich kann das doch nicht liegen lassen.“ „Der Zug wartet nicht auf mich.“ „Was wird aus dem Teppich.“ „Mir egal, aber ich muss los.“ Wenige Wortwechsel später saßen wir im Auto und fuhren ganz entspannt zum Bahnhof. Der Teppich wurde zumindest vom gröbsten gereinigt, aber zu mehr reichte die Zeit wirklich nicht. Ich hasste es, auf den letzten Drücker zu kommen. Am Bahnhof angekommen, stürmte ich aus dem Auto, rannte zum Gleis und durfte feststellen, dass mein Zug gleich mal 10 Minuten Verspätung hatte. Shit happens…

Abschied: Lieben heißt auch loslassen

Es ist schon vier Tage her, aber so wirklich realisiert, dass du gegangen bist, habe ich noch nicht. Jeden Morgen wenn ich die Treppe herunterkomme, will ich wie gewohnt nach dir gucken, dich begrüßen, aber da ist niemand mehr. Abends planen wir automatisch, wer wann noch einmal mit dir Gassi gehen soll, bis es uns einholt, dass du die letzte Reise ohne uns angetreten hast. Du fehlst mir – mehr als ich dachte, mehr als ich in Worte fassen kann und genau so sehr, wie du es verdient hast.

Ich danke dir für 16 gemeinsame Jahre und es tut mir leid, dass ich in den letzten beiden Jahren nicht immer fair zu dir war und dich mit dem Respekt behandelt habe, den du verdient hast. Die Lücke, die du hinterlässt ist groß, aber auch, was du mir mitgegeben hast. Viel zu schnell – besonders bei langen Beziehungen – vergisst man, was man alles für schöne Momente erlebt hat. Und auch wenn es Alltag gibt und stressige Situationen, sollten nie die Banalitäten mehr im Vordergrund stehen als die schönen und wahren Momente der gemeinsamen Zeit.

Für mich stand immer fest, dass ich dich nicht bis zum Ende begleiten kann. Zu sehr stoppte mich meine Angst, dass ich zu schwach dafür bin oder irgendetwas falsch mache. Als ich den Blick in deinen Augen sah und mit klar war, dass wir dich erlösen und gehen lassen müssen, wusste ich auch, dass wir ein Team sind und wir diesen Weg gemeinsam gehen. Ich bin so froh, dass ich mich überwinden konnte und auch sehr dankbar, dich bis zum Schluss in meinen Armen zu halten.

Auch wenn du für viele nur ein Hund warst, für uns warst du immer Teil dieser Familie. Du wirst immer etwas Besonderes bleiben und wir werden dich nie vergessen. Danke für die gemeinsamen Jahre. Auch wenn es am Schluss bestimmt nicht immer leicht war, möchte ich keine Sekunde davon missen. Ich wusste schon zu Lebzeiten, was ich an dir hatte, aber es wird einem noch viel bewusster, wenn man sieht, wie groß die Lücke ist, die du hinterlässt. Du fehlst mir!