Lauf Forrest lauf!

Der große Tag war endlich gekommen – der Spendenlauf. Grundsätzlich finde ich es ja sehr gut, dass die Schule einen Spendenlauf organisiert hat. Bisschen problematisch finde ich die Tatsache, dass es öffentlich ist, wer wie viel spendet. Ich habe nun mal einen sehr fitten und auch sehr ehrgeizigen Sohn und ich wusste, dass er sich oben bei der Rundenanzahl einsortieren würde. „Die anderen kriegen 100 Euro pro Runde“, motzte er, als wir „nur“ bereit waren, ihm 10 Euro pro Runde zu spenden. Einige Proteste und Anrufe bei der Familie später kamen wir dann doch noch auf hoffentlich passable 40 Euro pro Runde. Das erste Hindernis war also genommen, jetzt musste er nur noch abliefern, aber ich hatte nicht wirklich Zweifel. Mein Sohn kann sechs Stunden beim Fußballtraining sein und danach springt er zur Entspannung noch eine Stunde Trampolin. Seine erste Fahrradtour mit vier Jahren ging auch gleich über 16 Kilometer. Er ist bei so etwas sehr ehrgeizig und würde nicht aufhören, bevor er gestoppt werden würde.

Dann war der große Tag endlich da. In Sportoutfit verließ er das Haus und dann hieß es abwarten. Insgeheim fieberte ich schon sehr mit. Ich bin auch einer der Mütter die am Rand mitwippen, wenn die Kinder schaukeln oder imaginär abspringen, wenn sie auf dem Trampolin sind. Also war ich auch heute in Position und innerlich absolvierte ich einen Marathon. Mir ging alles durch den Kopf: von der totalen Katastrophe bis hin zum großen Triumph. Hätte ich nicht arbeiten müssen, wäre ich wahrscheinlich um die Laufstrecke herumgeschlichen und hätte ihn angefeuert. Wobei ich das manchmal sehr befremdlich finde. Das Fußballtraining startete mein Sohn mit vier Jahren und ich musste schnell lernen, dass das zum einen ein soziales Event war und zum anderen kein Spaß. Oftmals kamen die Väter und coachten ihre Kinder zusätzlich vom Rand aus. Es ist jetzt nicht so, dass ich nichts vom Fußball verstehe, aber ich konnte mir erfolgreich auf die Zunge beißen. Einmal musste ich mich sehr zusammenreißen, als ein Vater ein Einzeltraining für seinen Sohn anfragte und dafür auch einen Sportplatz buchte. Wer hat, der hat und vielleicht spielten wir mit dem zukünftigen Lionel Messi und wussten es nicht. Die Aufgaben der Mütter war beim Training klar verteilt. Hier wurde nicht gecoacht, sondern repräsentiert. Also High Heels an, ins etwas legere Kleid geschmissen und die Louis Vuitton geschultert. Ich fühlte mich mit Jeans und T-Shirt immer underdressed, aber was soll es…

Ich war gespannt, welche motivierten Eltern an der Laufstrecke standen. Vielleicht liefen einige ja spontan mit und reichten leckere Proteinriegel und Gels. Ich wusste, dass mein Sohn es auch alleine sehr gut schaffen würde. Zwar konnte ich mich den ganzen Vormittag nicht so richtig auf etwas konzentrieren, aber ich schaffte es, nicht meiner Neugier nachzugehen und ihn erst wie geplant aus Nachmittagsbetreuung abzuholen. Von wegen Helikoptermutter 😉 Er kam schon wieder vom Fußballspielen und ärgerte sich nur über das Ergebnis, weil es mal wieder 1:2 stand. Vom Lauf erwähnte er nur ganz lapidar, dass er 12 Runden gelaufen war und aufhören musste, weil sie ihn rausgezogen haben. Er war so rot…Ich fand auch, dass knapp 8 Kilometer Laufstrecke für einen Erstklässler und bei seinem ersten Lauf wirklich ausreichend waren. Sonst würde er wohl noch immer laufen 😉

Ich habe Fitzek-Fantasien

Für den ein oder anderen mag es vielleicht komisch klingen, aber ich liebe es als Entspannung Psycho-Thriller zu lesen. Ich gestehe, dass ich zu den Lese-Muffeln gehöre. Es braucht schon einiges, damit mich ein Buch packt und ich in die Geschichte eintauche. Ich kann selbst den Kindern den Büchern vorlesen, ohne selbst der Geschichte zu folgen und im Kopf schon die Einkaufsliste für die nächsten Tage zusammenzustellen. Daher brauchte ich etwas Spannendes.

Ich stieß nach vielen Vorschusslorbeeren auf die Bücher von Sebastian Fitzek und ich liebe sie. Mörder, Psychopathen usw. – ein Traum! Mich fasziniert weniger das viele Blut und die teilweise grausamen Schicksale, sondern einfach auch die Logik und Konsequenz mit der die Bücher geschrieben sind. Von der ersten bis zur letzten Seite bin ich voll dabei und vergesse für einen Moment alles um mich herum. Bei „Der Heimweg“ konnte ich das Buch sogar nicht aus der Hand legen, habe es permanent mit mir herumgeschleppt und in jeder freien Minute gelesen.

Einst träumte ich auch von einer Kreuzfahrt. Doch nicht erst seit Corona, sondern auch seit „Passagier 23“ ist mir die Lust darauf vergangen. Mein Problem ist nur manchmal, dass ich manchmal glaube, auch in meiner Umgebung die ein oder andere zwielichtige Person anzutreffen. Wenn man morgens um 6 Uhr mit dem Hund spaziert und dann die kleine, zierliche Dame in den Overknee-Stiefeln mit dem wilden Zopf täglich an der Bushaltestelle sitzt und sich um die Uhrzeit schminkt, fange ich gleich an, ihre Geschichte in meinem Kopf auszumalen. Die ist dann meist nicht sonderlich positiv und nimmt seinen Verlauf als tragisches Schicksal. 

Die Psychopathen lauern überall…

Oder wenn auf einmal ein etwas ungepflegter Mann mit Mundschutz über 90 Prozent des Gesichts um die Ecke kommt, der bei gefühlten 35 Grad in einem dicken Parka rumläuft und sein eines Bein auffällig hinter sich herzieht, dann ist der Stempel „Psychopath“ nicht weit. Und wenn er sich dann auch noch nicht abschütteln lässt, sondern brav hinter jeder Kurve wieder auftaucht, fängt mein Hirn erst so richtig an zu rattern. Doch keine Sorge – ich bin vorbereitet. Fluchtwege, Verteidigungsstrategien und welche möglichen Taktiken angewendet werden könnten, ich bin bereit. Und so lange ich nicht eines Tages selbst mit dem Messer hinter der Ecke lauere, ist doch alles gut 😉

Wir wollen Zucker, Zucker, Zucker!

Oh ja, mein Umfeld kennt die Qualen, die ich bereit bin, mich selbst, aber auch den anderen auszusetzen. Am meisten leidet darunter wohl meine Familie. Selbstverständlich war das Thema Gesundheit während Corona auch bei mir präsenter und zwischenzeitlich dachten sich wohl meine Mitbewohner, dass Corona gar nicht so schlimm sein könnte, verglichen mit meinen großartigen Experimenten.

Neben viel Bewegung und frischer Luft, was meine Kinder bei jedem Wetter definitiv sehr liebten und weshalb wir uns wohl auch für einen Hund entschieden haben, war das Thema Ernährung ganz oben auf meiner Agenda. Viel Obst und Gemüse kannten sie ja schon, aber jetzt wollte ich ihnen an ihre Snacks und Schleckereien. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, den Zucker zu verbannen bzw. zu reduzieren. Dass ich auf Zucker seit einiger Zeit mehr oder weniger streng verzichte, wussten sie, doch dann dachte ich: Was gut für mich ist, kann ja nur gut für alle sein! Also schmiss ich am Wochenende die Küchenmaschine an und stellte mich dem Kampf mit herkömmlichen Kuchen und Co.

 Während der Schokokuchen ohne Zucker aber mit Apfelmus bei allen Anklang fand und ich gleich mit einem positiven Feedback startete, wurde ich gleich etwas übermütig und wollte neben Zucker auch gleich noch ein paar Kohlehydrate und Kalorien reduzieren. Statt dem geliebten Käsekuchen, machte ich mich ans Werk für einen locker, leichten Skyr-Kuchen. Der Eischnee war ein Traum, ich hob das fluffige Weiß und die Quark-Skyr-Masse und alle waren begeistert von dem Anblick und die Hoffnung auf einen leckeren Sonntagskuchen stieg. Ungefähr so wie die Masse schlussendlich im Ofen, doch die Hoffnung fiel in sich zusammen, wie der Kuchen an sich. Nach einem gefühlten 10 cm hohen fluffigem Käse-Skyr-Traumkuchen, landete am Ende ein ca. 1,5 cm hoher Flatschen auf den Tellern, der mehr oder weniger wie schlecht abgeschmecktes, gesüßtes Omelette schmeckte. Ich gestand, dass definitiv keine Alternative zu was auch immer sein würde.

Doch es war nur ein kleiner Rückschlag und ich gab nicht auf. Dinkelmehl wurde mit Datteln und Co gemischt und ich rührte und mixte, was das Zeug hielt. Ich merkte schon, dass die Lust auf Kuchen und Co immer mehr zurückging. War das gut oder schlecht? Ich machte den ultimativen Test und machte mich an leckere Toffee-Muffins mit Karamel, Schokolade, dem weißen, verbotenen Kristallzucker und echten, wahren Kalorien. Der Geruch war super, die Optik ein Traum, aber die Freude bei meiner Familie noch etwas verhalten. Alle nahmen sich zwar brav einen Muffin, aber anstatt genüsslich reinzubeißen, wie ich es angenommen hatte, fragte mein Sohn nur vorsichtig: „Ist da Zucker drin?“ Ich konnte ihn beruhigen: „Ja, es ist Zucker drin, normales Mehl und keine böse Überraschung.“ „Also ist der wirklich ungesund,“ fragte meine Tochter. Ich nickte. Die Augen aller leuchteten und sie bisschen voller Vorfreude in ihre Muffins. Diesmal wurden sie nicht enttäuscht und genossen sichtlich jeden Bissen. 

Wenn Zucker so glücklich macht, bin ich pro Ausnahme!

Ich fragte mich, ob ich es vielleicht ein kleines bisschen mit meiner Fürsorge übertrieben hatte. Ich ließ die zuckerfreien Ökö-Gummibärchen mit Agar Agar mal vorerst in der Schublade verschwinden. Ich denke, die Mischung macht es. Sie sollen genießen und essen, was ihnen schmeckt und Spaß macht. Natürlich nur in Massen. Schrieb sie und griff beherzt in die Chipstüte 😉

The winner takes it all…

Nachdem ein gewisses Kleinanzeigen-Portal mein neuer, bester Freund ist und ich nicht nur günstig eine Tischtennisplatte, sondern auch noch einen Kicker erstanden habe, steht bei uns Zocken jetzt täglich auf dem Programm. Mein Sohn liebt Fußball und auch beim Kickern hat ihn der Ehrgeiz gepackt, allerdings mehr als mir lieb ist…

Natürlich ist es für ihn mit seinen sechs Jahren schwieriger zu spielen, als für mich. Also halte ich mich brav etwas zurück, wobei mir das SEHR schwer fällt. Ich hasse es zu verlieren, aber in diesem Fall sind meine Muttergefühle größer als mein Ehrgeiz. Also übe ich mich in vornehmer Zurückhaltung. Natürlich kann es sein, dass ich das ein oder andere Tor erziele, was dann gleich zu Dramen führt: „Du bist viel besser als ich!“, „Ich kann das nicht!“ bis hin zu „Ich bin so doof!“ Ich schreite natürlich ein und erkläre ihm, dass ich mehr Erfahrung habe, es als Erwachsener leichter ist und es doch um den Spaß gehen soll und nicht nur ums Gewinnen.

Doch so schnell wie die Stimmung sinkt, kann sie auch wieder durch die Decke gehen. Schießt er mehr als drei Tore am Stück, ist er nicht mehr zu bremsen. „Ich bin der Beste. Du kannst ja überhaupt nichts!“, „Mama ist die schlechteste Kicker-Spielerin. Ich spiele nur noch mit Papa, denn so ist es ja langweilig. Ich gewinne jedesmal.“ Ich spüre nur, wie meine Halsschlagader langsam zuckt und ich wüsste, dass ich zu gerne, einfach drauf los spielen würde und ihn in seine Schranken weisen. Aber ich bin ja vernünftig und habe mich im Griff. Also rein theoretisch…Nachdem mich beim letzten Monopolyspiel der Ehrgeiz überkommen hat und es fast zu Tränen führte, habe ich mir dieses Mal fest vorgenommen, mich nicht provozieren zu lassen. Ich spiele also schlecht weiter und sage mir innerlich brav mein Mantra auf: „Er ist nur ein Kind, lass ihn gewinnen, sei eine gute Mutter.“ Während ich also mehr mit mir innerlich kämpfe, als auf dem Platz, geht mein Sohn enttäuscht zur Tischtennisplatte.

„Er ist nur ein gut! Sei eine gute Mutter! Er ist nur….“ – möge mein Mantra gewinnen

Habe ich doch was falsch gemacht? „Was ist los,“ frage ich besorgt. „Spielst du vielleicht besser Tischtennis als Kicker,“ fragt er mich hoffnungsvoll. Meine Halsader ist nun kaum mehr unter Kontrolle. „Ja, ich spiele ganz gut Tischtennis.“ „Das hast du vom Kickern auch gesagt….“

Und jetzt alle…

Wenn deine Kinder selbst im Urlaub um 5:30 Uhr aufstehen, dann bist du sehr froh, wenn es endlich 19 Uhr wird und man so langsam anfangen kann, sie fertig zu machen und ins Bett zu bringen.

Doch jeden Abend um exakt 19 Uhr schallten laute Techno-Beats durch das Hotel und die Kinder-Disco war eröffnet. Das Wummern der Bässe trug nicht gerade dazu bei, dass sich meine Kinder in den Schlaf wiegen ließen. Wir sahen nur wie im Nachbargebäude viele aufgeregte kleine Kinder ihre Arme zum Himmel reckten und munter auf und ab sprangen.

Meine Kinder interessierte das nicht – sie waren müde. Und während sie bald fröhlich schliefen, hatte sich der Bass in mein Gehör gefressen. Ums, ums, ums….selbst das Tropfen des Regens schien sich dem Bass angepasst zu haben. Und so feierte ich innerlich jeden Abend ab 19 Uhr eine Party. Es klang auch gefühlt jeden Abend gleich. Normalerweise war dann um 20 Uhr die Kinderdisco beendet und das Programm für die Erwachsenen begann. Doch während Jazz-Musik angekündigt war, klang es für mich immer noch eher wie ein Hit der Vengaboys. Oho oho…

Und so sehr mir der Regen den Urlaub an der Ostsee und einen entspannten Strandurlaub verhagelte, so hatte er auch was Gutes. Normalerweise fand die Kinderdisco nämlich rund um den Pool und somit direkt vor unserem Balkon statt. Leider musste sie aufgrund des Wetters nach drinnen wechseln. Was ich zutiefst bedauerte, nachdem ich fast eines Todes gestorben bin, nachdem ich nichtsahnend eine Gruppe von Menschen passierte, als die Animateurin mal kurz zum Megafon griff. Des einen Leid ist des anderen Freud. Und nach zwei Tagen Dauerregen und Sturm bin ich auch bereit, den Pool morgen Abend mit meinen Discofreunden zu teilen, wenn sich dafür mal kurz die Sonne blicken ließe! 

Möge die Schlacht beginnen

Ach, auf ein leckeres Abendessen freute ich mich sehr und ich war froh, dass wir diesmal Halbpension hatten und nicht noch nach einem Restaurant suchen mussten. Die Werbung im Hotel war vielversprechend, denn das Restaurant stand für Slow Cooking und Genuss. Es war noch recht früh am Abend und wir ausgehungert von der Fahrt. Hoffentlich würden wir nicht die einzigen sein, die sich um diese Uhrzeit zum Essen verirrten. Diesen Gedanken sollte ich ganz bald bereuen…

Wir öffneten die Tür zum Restaurant und ich hatte mehr das Gefühl, als würde ich einen Indoor-Spielplatz betreten – zumindest was die Lautstärke betraf. Es stand ja nichts von Ruhe auf der Werbung 😉 Wie in einem Ameisenhaufen rannten viele hungrige Menschen – von jung bis alt – wild durcheinander und beluden sich die Teller mit verschiedenen Spezialitäten. Erschlagen von der Lautstärke und der Hektik suchten wir uns einen Tisch, was nicht leicht war. Irgendwann fanden wir im zusätzlich aufgestellten Zelt noch vier freie Plätze. Ich wollte mir eigentlich nur einen Überblick über die Speisen verschaffen, doch schnell wurde mir klar: Das hier hatte nichts mit Genuss zu tun – die Lage war ernst! Jeder war sich selbst am nächsten und jedermann lädt auf so viel er kann! Vielleicht würde ja ab morgen Lebensmittelknappheit herrschen. 

Wer die Wahl hat, hat die Qual? Denkste – einfach rein damit!

Der Strom riss mich vorbei am Salatbuffet und verschiedenen warmen Speisen. Ich erkannte teilweise gar nicht, was ich vor mir hatte, ich lud auf. So merkte ich, dass es kein Rotkohl war, den ich mir aufgeladen hatte, sondern rote Beete. Egal – rein damit! Die ganze Hektik veranlasste mich dazu noch schneller zu essen als ohnehin schon. Meine Kinder waren komplett überfordert und entschieden sich für trocken Brot. 

Mein persönliches Highlight folgte mit dem Dessert. Ich hatte schon Magenschmerzen vom schnellen Essen, zog aber für meine Tochter noch einmal in den Kampf. Sie wollte Wackelpudding – wie gefühlt alle anderen Kinder auch. Zwei Gläser der Begierde waren noch übrig, doch ich machte einen entscheidenden Fehler. Ich war irritiert, ob das eine Glas schon einmal probiert wurde. Am Rand klebte eine undefinierbare Masse. Doch dieses Ablenkungsmanöver war mein Verderben. Ehe ich mich versah griffen rechts und links von mir zwei kleine Hände beherzt zu und nahmen gleich den ersten Löffel noch am Buffet zu sich. „Jetzt noch einmal voller inbrunst über das restliche Kuchenbuffet husten, und die anderen haben auch noch Freude an eurem fehlenden Mundschutz,“ schnaubte ich innerlich in mich rein.

Warum auch immer war mein Appettit vergangen und ich brachte die frohe Kunde meiner Tochter. Alle waren etwas enttäuscht, nur mein Mann hatte gleich Bekanntschaft mit dem Nachbartisch geschlossen. Ein weiterer fataler Fehler, wie wir am nächsten Tag vielfach feststellen durften…To be continued

Urlaubszeit = Entspannungszeit?

Ich bin zwar sehr gerne zu Hause, aber ab und an habe auch ich gegen einen kurzen Tapetenwechsel nichts. Allerdings sind meine Ansprüche an Urlaub in den letzten Jahren nicht unbedingt gestiegen, aber sie haben sich geändert. Mit Kindern zu verreisen ist eh noch einmal anders, weil man auch guckt, dass die Kinder Spaß haben. Diesmal dachte ich, dass ich einen guten Kompromiss gefunden habe und wir alle etwas von einem Resort an der Ostsee hatten. Es klang vielversprechend und ich sah entspannende Stunden auf mich zukommen. Bei der Ankunft war ich etwas erstaunt, dass unser Gepäck von jemandem aufs Zimmer gebracht und das Auto geparkt wurde. Vielleicht war es das, was meine Erwartungen in die Höhe schnellen ließ? Umso mehr schmerzte der Fall, als ich das Zimmer betrat. Ich hatte extra ein Family Deluxe Zimmer gebucht. Es sollten alle genügend Platz haben und sich jeder aus dem Weg gehen können. Nun ja, ein Zimmer war es, aber von Deluxe und Platz war keine Spur. Als es sogar schwierig wurde, unsere Koffer ins Zimmer zu bekommen, machte sich erste Verzweiflung breit.

Wer braucht schon Platz und Entspannung im Urlaub?

Was war schief gelaufen? War es meine zu hohe Erwartung? Das Zimmer bestand aus einem Doppelbett und daneben ein Beistellbett für Kinder bzw. ein Kind. Das füllte das komplette Zimmer dann auch schon aus. Unsere Koffer füllten Bad und Flur. Ich hätte auf der Stelle umdrehen und nach Hause fahren können. Mein Mann blieb ganz pragmatisch: „Wir haben ja ein Bett zu wenig!“ „Und etwas Platz zum Atmen fehlt auch. Das soll Family Deluxe sein? Was habe ich denn da gebucht?“ Sofort nahm ich mein Handy, um alles in der Buchung noch einmal nachvollziehen zu können. Wir brauchten nicht nur ein weiteres Bett, auch ein Zimmer mehr war nötig, damit ich nicht nach drei Tagen Amok lief. So sehr ich meine Kinder liebe, aber abends brauche ich Zeit für mich und einfach Ruhe. Die Vorstellung gemeinsam für die nächsten sieben Tage jeden Abend im Bett zu liegen, fühlte sich nicht wirklich nach Urlaub an.

Ich war bereit, nicht nur direkt nach Hause zu fahren, sondern auch ein paar Euros draufzulegen, wenn ich aus dieser Lage befreit werden würde. Mein Mann wusste, dass meine Nerven blank lagen und machte sich auf den Weg zur Rezeption, bevor ich die Heimreise antreten konnte. Relativ schnell kam er wieder und hatte gute Nachrichten im Gepäck. Es war ein Fehler und wir mussten ein Stockwerk höher. Ich hechtete die Treppen nach oben. Leichte Panik machte sich breit, dass auch dieses Zimmer mein wahrgewordener Alptraum sein könnte. Ich hatte wohl mehr was von einem Rugby-Spieler kurz vor dem Touchdown, denn das Putzpersonal machte mir sehr schnell Platz und sprang zur Seite. Ich schob die Schlüsselkarte vor den Sensor, drückte die Klinke nach unten und stellte mich meiner Angst 😉

Erleichterung machte sich breit, als ich mich zumindest schon im Flur bewegen konnte und nicht ein Matratzenlager erblickte. Zwei Zimmer, ausreichend Platz und ein Balkon mit Blick auf den Pool. Ich war sehr erleichtert. Allerdings wirkte der schlechte Start noch nach und ich kam nicht wirklich ins Urlaubsfeeling. Gestresst und müde von der Fahrt gingen wir erstmal zum Essen. Ein Fehler, wie sich kurze Zeit später herausstellen sollte…to be continued

Heute ist morgen schon gestern

Laut Albert Einstein „ist Zeit das, was man von der Uhr abliest“, aber für meinen Sohn ist Zeit ein unbegrenzter Faktor oder auch ein unbekanntes Universum. Es stört ihn auch nicht, nichts darüber zu wissen. Für uns Eltern ist Zeit nicht nur ein rares Gut, sondern auch ein gefährlich….

Beide meiner Kinder freuen sich total, wenn Besuch kommt oder wir Wegfahren oder ähnliches. Die Tage bis dahin werden brav runtergezählt und sehnsüchtig erwartet. Problem ist nur, dass sie die Tage irgendwie anders zählen. „Wann fahren wir zu Oma und Opa?“ „Heut in einer Woche!“ „Also morgen?“ „Nein, heute ist Montag, du gehst die Woche noch fünfmal in den Kindergarten, dann kommt das Wochenende und dann fahren wir los. Insgesamt musst du noch siebenmal schlafen.“ Er guckt mich interessiert an. Dann kommt meine Tochter: „Ich habe gepackt. Wir können los.“ Natürlich hat sie nicht für den Kindergarten gepackt, sondern für die Fahrt zu Oma und Opa. Wieder erläutere ich ihr, dass es noch dauert. Und was werde ich seitdem jeden Morgen gefragt? „Fahren wir heute zu Oma und Opa?“ Jeden Abend werden auch die Taschen mit Spielsachen beladen, denn es könnte ja jederzeit spontan losgehen.

Doch nicht nur Reisen werfen ihre Schatten voraus. Es fängt auch schon im kleinen an. Als mein Sohn noch kleiner war, freute er sich sehr, dass am nächsten Tag sein Freund zu Besuch kommt. Da er zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich verstehen konnte, um wieviel Uhr das Treffen ungefähr stattfinden würde, machte ich einen entscheidenden Fehler und sagte: „Morgen nach dem Frühstück ist der Besuch da!“ 

Morgenstund hat nicht immer Gold im Mund….

Ich ahnte erst am nächsten Morgen um 5:30 Uhr, was ich angerichtet hatte, denn mein Sohn wollte schon frühstücken. Also saßen wir sonntags um 6 Uhr brav am Frühstückstisch. Um 6:05 Uhr stand mein Sohn auf und ging zu Tür. Er wollte gucken, ob der Besuch schon da ist. Ich versuchte ihm dann zu erklären, dass der Besuch wahrscheinlich noch schläft und er sich noch etwas gedulden muss. Das ging natürlich gar nicht. Es war doch schon hell – wie konnte man denn dann nur schlafen? 

Die Euphorie ist zwar nach wie vor die gleiche, aber mittlerweile steht er nicht mehr früher auf. Es kann auch daran liegen, dass bei uns vieles nur noch ganz spontan passiert. Wie aus dem Nichts fällt mir plötzlich ein, dass in 30 Minuten ja der Besuch kommt. Nachdem wir das Zeitproblem jetzt schon galant gelöst haben, muss nur noch etwas mehr örtliche Orientierung her. Denn egal, ob zum Einkaufen, in den Zoo oder zum Schwimmen – wir fahren entweder immer nach Berlin oder an den Gardasee. Warum auch nicht…

Opa, der Womanizer

Da ja gestern Muttertag war, dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und erkläre meiner dreijährigen Tochter, wie so die familiären Zusammenhänge sind. Mein sechsjähriger Sohn glaubt zwar auch immer noch, dass mein Vater mit zwei Frauen verheiratet ist, wovon eine meine Schwester ist, aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben.

Opa und seine Frauen

„Weißt du denn, von wem Oma die Mama ist?“, frage ich meine Tochter. „Ja, von mir.“ „Ich dachte, ich bin deine Mama.“ „Ja, du auch.“ „Oma ist aber meine Mama und deine Oma.“ „Aha!“ Naja, vielleicht war das noch nicht der Weisheit letzte Schluss, also fange ich mit etwas greifbarerem an. „Hast du denn Geschwister?“ „Ja, Niklas.“ „Und Niklas ist dein?“ „Meine Schwester!“ „Ist Niklas nicht dein Bruder?“ „Ja, mein Bruder und ich bin seine Schwester.“ Läuft doch – triumphiere ich innerlich.

„Weißt du denn, wer Mamas Schwestern sind?“ „Ja, Papa und Laura.“ „Papa ist meine Schwester?“ „Nein, du bist Papas Mama.“ Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, sollte ich das richtig stellen: „Aber ich bin doch deine Mama.“ „Ja, und Niklas. Mama ist der Onkel von Papa.“ „Nein, Mama ist Papas Frau. Und du bist Papas…“ „Ich bin auch Papas Frau, und Niklas ist Papas Frau und Mama ist Papas Onkel.“ „Und wer ist Mamas Mann?“ „Opa!“ „Aber Opa hat doch schon eine Frau.“ „Ja, Doro und Laura.“ „Aber Laura ist doch meine Schwester.“ „Ja, und Opas Frau.“

Damit wäre meine Drei­­­jährige jetzt auf dem Stand von meinem Sechsjährigen. Die Verflechtungen in der Familie zu erklären, kann ich. Ab morgen ist das Aufgabe meines Mannes, äh Bruders oder doch Onkels????

„Hallo? Können Sie mich sehen?“

Photo by bongkarn thanyakij on Pexels.com

Da ich seit vielen Jahren als Freelancer arbeite und durch meine Kinder zu 90 Prozent davon im Home Office, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, was Home Office eigentlich für viele bedeutet. Für mich ist es Freiheit, Unabhängigkeit und die einzige Möglichkeit, Beruf, Haushalt, Kinder und Co zu vereinbaren. Mein Mann ist Mediziner und bislang war Home Office nie eine Option, doch heute Morgen kam der Anruf: Die Videosprechstunde kommt!

Während ich es super fand, dass wir beide jetzt flexibler sind, und er einfach in diesen verrückten Zeiten für seine Patienten und sich eine gute Basis schaffen kann, brach für ihn eine Welt zusammen. Erste Reaktion: „Dann muss ich ja gut aussehen.“ „Aber nur oben rum, unten kannst ja bequeme Jogginghose anziehen,“ nahm ich seine Sorgen noch nicht so ernst. Dann machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Ort. Zum einen sollte der Hintergrund jetzt nicht zu viel Privates preisgeben, als auch weit genug weg sein, damit nicht alle paar Minuten ein Kind ins Zimmer kommt, oder die Patienten Zeuge werden, wenn Feuerwehrmann Sam und Feuerwehrfrau Penny einen Brand löschen. Das tun sie nämlich bereits seit 7 Uhr morgens. Während sich für mich das selbst kreierte Martinshorn mehr wie ein Tinitus ins Ohr geschlichen hat, ist es für viele doch wahrscheinlich eher störend. Also blieb nur eine Option: unser Schlafzimmer! Eine schlichte, weiße Wand, ein kleiner Tisch und genug Abstand zum sonstigen Wahnsinn.

Soweit so gut – Problem gelöst, doch die Laune wurde nicht besser. Ich dachte, ich baue ihn auf, in dem ich ihm vorrechnete, wie viel Zeit er sparen würde, weil er nicht mehr fahren muss, brach er innerlich zusammen. „Ich liebe die Fahrerei! Ich brauche die Fahrerei,“ platzte es aus ihm heraus. Mein Mann fährt alle Wege mit Fahrrad und das 365Tage im Jahr. Kein Regen, kein Schnee, kein Sturm können ihn stoppen, aber die Videosprechstunde schon. Mein Vorschlag, dass er dann morgens einfach eine Runde joggen geht, kam nicht so gut an. Dafür fehlte ihm die Disziplin. Aufs Fahrrad steigen musste er jeden Tag, denn zur Arbeit kommen musste er ja. Vielleicht sollte ich ihm einen kleinen Heimtrainer kaufen, auf dem er strampeln kann, wenn er seine Videosprechstunde abhält. Oben hui, unten sportlich 😉