Und es hat Zoom gemacht…

Unnötige Meetings gehörten schon vor Corona nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Mit Corona und aus dem Home Office heraus hat sich das trotz Zoom, Teams und Co nicht geändert. Gerade, wenn man nicht alleine zu Hause ist, war es doppelt anstrengend.

Ich habe zwar meinen Kindern erklärt, wie die Meetings ablaufen und dass sie in diesem Zeitraum dann nicht stören sollen, aber das hat nicht immer so gut geklappt. Mein persönliches Highlight mit meinem Sohn, war, als er munter ins Meeting reinspazierte und einfach anfing vorzulesen. Ich hatte schon zur Sicherheit mein Headset auf, schaltete mich kurz auf stumm und fauchte ihn nur kurz an: „Ich habe ein Meeting. Ich kann jetzt nicht mit dir lesen.“ Er fauchte genauso freundlich zurück: „Das ist mir so egal. Ich will fertig werden und meine letzte Aufgabe ist lesen.“ Dann setzte er wieder an: „Lll, ooo, lll, aaa – Lola…“ Ich bat ihn noch kurz den Raum wenigstens zum Lesen zu verlassen, aber es war zwecklos.

Verzweiflung per Videostream

Meine Tochter hatte ihre Sternstunde, als ich gerade mit einer Kollegin nur via Computer telefonierte. Ich hatte kein Video an, was für meine Tochter ein gefundenes Fressen war. „Ich telefoniere – kannst du bitte rausgehen.“ „Du sprichst doch nur in den Computer,“ sagte die triumphierend und machte es sich bequem. „Ich sehe niemanden.“ „Ich versuchte sie abzuwimmeln, aber sie fand diese Technik zu faszinierend. „Mit wem sprichst du denn?“ „Mit einer Kollegin.“ „Das ist doch nur ein Computer.“ Dann schrie sie einfach mal: „Hallo!“ Meine Kollegin antwortete brav und die Faszination wuchs weiter: „Dein Computer antwortet sogar. Toll! Kannst du mir was von Paw Patrol spielen?“ „Die Stimme auf der anderen Seite des Computers, antwortete nur nüchtern: „Nein!“. Die Enttäuschung war groß und vor Frust klappte sie dann den kompletten Laptop zu. Zum Glück hatten meine Kollegen und Kolleginnen Verständnis und Geduld.

Und wenn man sich in Sicherheit wiegte, mal nicht das Headset aufhatte, weil alle Kinder in Schule und Kindergarten waren, dann durfte man die dritte Knallerbse im Bund nicht vergessen: Jody. Pünktlich zum Call schleppte sie ihr Spielzeug an, kaute fröhlich darauf los und quietschte im Dreivierteltakt. Was war es schön…

Ich bin wieder hier…

…in meinem „Revier“. War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.“ Und zwar quasi vor Corona und der ganzen Welt! 

Ich brauchte eine Auszeit, aber jetzt bin ich wieder zurück 🙂

In den letzten Wochen und Monaten kam ich an den Punkt, dass mir alles ein wenig zu viel wurde. Nur negative Nachrichten mit immer neuen Schreckensmeldungen, dann diese Machtlosigkeit, dass man nichts tun konnte, sondern einfach abwarten und hinnehmen musste, was entschieden wurde. Es hat sich für mich in der letzten Zeit sehr viel geändert. Zum einen war die Belastung durch Homeschooling und Co. dann doch am Ende spürbar und zerrte an meinen Kräften und natürlich auch Nerven.

Hinzu kam, dass ich meine Selbstständigkeit mehr oder weniger aufgab, und das Glück hatte in dieser Zeit eine Festanstellung zu bekommen. Eigentlich waren es mehr oder weniger zwei innerhalb von kürzester Zeit, aber dazu ein anderes Mal. Passend dazu entschied sich mein Mann auch noch kurzerhand den Job zu wechseln. 

Was macht man, wenn man eh schon gefühlt Land unter ist? Richtig! Man holt sich einen Welpen ins Haus. Viel schlimmer konnte es ja gar nicht mehr werden. Oder doch? Auch hierzu werde ich noch weitere Details preisgeben.

Es war viel, es war bestimmt nicht alles schlecht, aber es war anders und seitdem ist vieles neu. Ich hab Zeit gebraucht, um mich neu zu ordnen, mein Leben den Änderungen und auch meinen sich verändernden Bedürfnissen anzupassen. Mittlerweile habe ich das Gefühl weitestgehend angekommen und neu gestärkt zu sein. Egal, was der Herbst bringen mag, oder welche Katastrophen noch so über uns hereinbrechen, ich fühle mich zumindest so, als könnte mir das nicht mehr viel anhaben. 

In diesem Sinne auf ein neues Abenteuer – diesmal ohne Pause, aber dafür mit ganz viel abwechslungsreichen Schmunzelgeschichten und positiven Aussichten. 

Mama hat Corona

Ja, mich hat es die letzten Wochen erwischt. Aber kein Corona, sondern nur ein grippaler Infekt, der mich aber trotzdem in die Knie zwang. Ich war mir nicht so sicher, was schlimmer für mich war: Dass ich krank war oder die Gefahr meine Kinder anzustecken und somit Schule und Kindergarten zu riskieren. Es reicht ja derzeit schon ein leichter Schnupfen und man hat Panik, dass die Kinder wieder nach Hause geschickt werden. Und Erkältungsviren hatte ich zur Genüge.

Also, siegte die Vernunft und ich isolierte mich brav von meiner Familie. Mein Mann übernahm so gut es ging und wenn die drei zu Hause waren, zog ich mich in den „Westflügel“ zurück und langweilte mich alleine zu Tode. Am ersten Tag fand ich es noch ganz entspannend, aber ab Tag zwei wurde die Laune genauso frisch und erquickend wie mein Gesundheitszustand. Während der Mahlzeiten schaltete ich mich via FaceTime zu und ansonsten versuchte ich soweit alles vorzubereiten und abzuarbeiten, wenn die drei unterwegs waren.

Es dauerte wirklich über eine Woche, dass ich mein Quartier wieder verließ und auch jetzt bin ich gefühlt noch nicht bei 100% Fitness, aber es geht bergauf. Nach ca. 1,5 Wochen war ich auch endlich wieder in der Lage, meine Kinder zu bringen und abzuholen. Aber das war wohl nicht die beste Idee, wie sich schnell herausstellte.

Ich unterhielt mich im Kindergarten gerade mit der Erzieherin, als meine Tochter panisch angerannt kam: „Du darfst nicht so nah an meiner Mutter stehen – die hat Corona!“ Der Blick der Erzieherin war nur minimal panisch. Ich klärte dann entsprechend auf und alles war gut, aber meine Tochter schirmte mich brav ab. Nicht, dass mir noch was passierte, schließlich hatte ich ja Corona…NOT 

Sind wir nicht alle ein bisschen Corona?

So langsam hat sich Corona und die damit verbundenen Einschränkungen in mein Leben und in den Alltag geschlichen und sind dort fest verankert. Seit neustem schaue ich auch bei Filmen oder Serien genauer hin. Es kommt ganz automatisch, aber man sieht Menschen bei einem Meeting oder unterwegs und schon ploppt es in meinem Kopf auf: „Und was ist mit dem Mindestabstand?“ Auch bei manchen Serie, die aktuell unter Corona-Bedingungen gedreht und fortgeführt werden, sieht man an den Szenen, dass die Bestimmungen eingehalten werden, und bei manch Schauspieler war auch noch der Frisörbesuch anfangs nicht drin.

1,5 Meter lautet die Wunderwaffe 😉

Doch nicht nur beim Fernsehen denke ich an Corona. Letztlich musste meine Tochter tagsüber öfters niesen und als sie abends auch noch etwas verschnupft war, herrschte sofort Ausnahmezustand. Das Kind kann nicht in den Kindergarten, ihr Bruder bleibt auch zu Hause und mit Thermometer bewaffnet versuchte ich, die Situation in den Griff zu kriegen. Es war Fehlalarm und beide Kinder topfit, aber im Hinblick auf den Herbst und die kommende Erkältungszeit vielleicht eine gute Übung. Meinen Kindern fließt – auch schon vor Corona – meist von Oktober bis März die Nase. Wie soll das in diesem Jahr dann nur werden? Kinder wurden schon aus dem Kindergarten nach Hause geschickt, weil sie sich verschluckt hatten. Das wird mal wieder ein (Alp-)Traum.

Was mich allerdings am meisten an diesem Tag als die Kinder krank waren, faszinierte und gleichzeitig schockierte, war, dass wir sofort gefühlt wieder im Lockdown saßen. Der Tagesablauf war ohne etwas sagen zu müssen, identisch zu den zehn Wochen Home Office mit Kindern. Erst ließen sie mich arbeiten, dann stand Vorschule auf dem Programm, eine Runde Bewegung an der frischen Luft, Mittagessen, Ruhepause, freies Spielen und erneut Bewegung. Für mich fühlte es sich so an, als hätte es nie normalisierte Wochen dazwischen gegeben. Es war sofort wieder da! Und auch, dass die Kinder direkt mit in den Corona-Quarantäne-Trott fielen, macht mich etwas stutzig.

War das unser neues normal und die Entspannungsphasen mit geregeltem Kindergarten und Co nur eine Ausnahme? Sind wir jetzt alle in bisschen Corona? Ich weiß es nicht und ich weiß nicht, was kommt. Doch eins ist sicher: ich bin sofort startklar. Wenn ich eins gemerkt habe, dass ich den Lockdown wohl noch mehr in mir trage als mir lieb ist. Aber wer weiß, wofür es gut ist. Bei der Kindergarteneingewöhnung im September dürfen Stand jetzt die Eltern nicht mit ins Gebäude. Ja, wie auch immer das laufen soll. Aber da mein Sohn wahrscheinlich eh nur jeden zweiten Tag in die Schule gehen kann, ist es im Prinzip auch schon egal…

Immer auf die Kleinen

Der Spruch „Immer auf die Kleinen“ trifft in Zeiten von Corona besonders zu. Natürlich haben alle zu leiden. Kranke und ältere Menschen haben Angst vor der Krankheit, die Mehrheit hat Angst vor den wirtschaftlichen Folgen, Eltern verzweifeln, weil sie Job und Kinder unter einen Hut bringen müssen und Singles und Alleinstehende sehnen sich nach Kontakt. Doch was ist mit den Kleinsten? 

Natürlich war mir bewusst, dass es für meine Kinder schwer ist, einfach von einem Tag auf den anderen aus dem Kindergarten rausgerissen zu werden und ihre Freunde nicht mehr sehen zu dürfen. Dass es dieses Virus gibt und das böse ist, hat auch meine Tochter verstanden. Sie hat sich heute Socken über ihre Hände gezogen, um sich vor Corona-Virus zu schützen, und trug dabei ihren Mundschutz. 

Ich glaube, dass besonders die Kinder mehr unter der Situation leiden als die meisten. Während wir noch mit unseren Freunden via Telefon, WhattsApp etc. Kontakt halten und uns austauschen können,  ist das für Kindergartenkinder kein adäquates Mittel.

Wir können auch draußen spazieren gehen oder Sport machen – wenn auch mit Einschränkungen. Meine Kinder laufen fleißig mit, aber natürlich sehnen sie sich nach dem Spielplatz, auf den sie nicht dürfen. 

Ich glaube, dass es wichtig und richtig ist, besonders ältere Menschen und auch vorerkrankte Menschen bestmöglich zu schützen. Auch wird kein Elternteil freiwillig wollen, dass sich seine Kinder mit Corona infizieren und leiden. Doch meine Kinder leiden und zwar daran, ihre Freunde nicht zu sehen. Während sich für alle für uns alle im Leben etwas geändert hat, hat sich für die Kinder fast alles geändert. Sie können nicht mehr in den Kindergarten, aber können dies nicht mit Home Office kompensieren. Sie können nicht mehr zum Sport oder anderen Aktivitäten, und können auch dies nicht durch Individualsport kompensieren. Sie können ihre Freunde nicht zum Spielen treffen, und können auch dies nicht durch Anrufe oder ähnliches kompensieren. Und das Schlimmste daran ist: dass sie wahrscheinlich nicht mal richtig verstehen warum. 

Daher glaube ich, dass es wichtig und richtig ist, den Kindern in den nächsten Wochen wieder Stück für Stück ein Teil ihres früheren Alltags und Lebens wiederzugeben. Sie weiter über Wochen mehr oder minder wegzusperren, kann nicht die Lösung sein, denn schließlich sind die Kinder nicht das Virus. Und das sage ich nicht als Mutter, die sich vielleicht an manchen Tagen auch mal nach Ruhe sehnt, was ich definitiv tue, sondern dass sage ich als Mutter, die sieht, dass sie alles für ihre Kinder geben kann, aber es nicht genug ist. Denn das, was den Kindern fehlt, können die Eltern nicht auffangen. Sie können es nur laut aussprechen, in der Hoffnung gehört zu werden!